Mittwoch, 28. Oktober 2015

Die Geschichte einer Zwangsheirat... Teil 1


Lärm dröhnte zu ihren langen spitzen Ohren hinüber. Alle im Dorf waren sehr aufgeregt. Sie wusste: Es war wegen ihr. Seit zwei Tagen nächtigte sie im Haus ihrer zukünftigen Schwiegermutter - und sie fühlte sich fremder als je zuvor.
Was hatte ihre Mutter Radka nur geritten sie verheiraten zu wollen und gleich mit einem Mann aus einem so weit entfernten Dorf?
Sicher, sie hatte schon oft davon gesprochen, aber Ridhu fühlte sich noch nicht dazu bereit. Würde sie es je? Stirnrunzelnd blickte sie auf ihre langen schmalen Hände auf dessen Rücken dichtes rotes Haar wuchs.
Den Mann, dem sie bald gehören würde, hatte sie noch nie gesehen. Sie ging in die Hocke, drückte sich ängstlich an den Stamm der mächtigen Eiche und verbarg schluchzend das Gesicht in ihren Händen.  "Nur weg von hier", das war alles was sie dachte, "zurück nach Hause, zu meinen Geschwistern, zu meinem geliebten Papa", der in dieser Sache ausnahmsweise einmal nichts zu sagen hatte, denn als Tochter oblag sie der Obhut ihrer Mutter.

Sie lief ungern im neuen Dorf herum, denn da begafften sie alle: die Frauen stichelten sie, um sie zu reizen, damit sie nu ja etwas Unrechtes tat und wieder nach Hause ging. Bis sie eine von ihnen werden würde - das würde eine Weile dauern. Und die jungen Männer, die stellten ihr nach, denn Fakt war: Bekam sie vorher einer, würde sie dessen Frau werden, nicht die von Manaktu. Folglich verhielten sie sich wie brünftige Hirsche.
Sie wusste, sie hätte die Behausung nicht verlassen, sollen, aber Beine und Rücken taten ihr vom vielen Sitzen schon weh, und der bohrende Blick ihrer Schwiegermutter war ihr unerträglich. Aber hier, abseits des Dorfes war sie doch sicher, oder?
Plötzlich richtete sie alarmiert ihre langen Ohren auf. Da war doch was...ein seltsames Geräusch. Wo kam das her? Es hörte sich an wie feine Nadeln auf hartem Untergrund. Plötzlich fuhr ein Schreck durch ihre Glieder. Sie blickte nach oben und sah direkt in die lüsternen runden Augen eines Mannes, der auf allen Vieren kopfüber am Stamm herunter geklettert kam. Er griff nach ihr und griff ins Leere. Mit einem Satz war sie auf den Beinen und davon...Während sie atemlos mal auf zwei mal auf allen Vieren über Stock und Stein rannte wusste sie, dass ihr der Mann dicht auf den Fersen war.
Wohin sie rannte, war ihr egal, Hauptsache weg... Plötzlich stolperte sie. Ihr dünner Körper flog durch die Luft und prallte einen Meter weiter unsanft auf den Boden. Sterne tanzten vor ihren Augen...Sie wollte sich gerade aufrichten, da beugte sich ein Schatten drohend über sie. Eine weitere Bewegung und eine gedrungene bekrallte Hand packte sie am Schopf und drückte ihr Gesicht in den Staub. "Hab ich dich", gurrte ihr eine Stimme ins lange spitze Ohr. "Flink wie eine Schlange", sie hörte wie er sich über die schmalen Lippen leckte, "genau richtig für mich!" Etwas raschelte, es musste wohl der Stoff seines Lendenschurzes sein.
Angst übermannte sie heiß wie Feuer, wie ein gefangenes Tier brüllte sie auf, dann rammte sie ihm ihren spitzen Ellbogen in den Magen.
Der Mann schrie auf und ließ sie einen Augenblick lang los. Ohne sich umzusehen richtete sich Ridhu auf und war sofort im Gestrüpp verschwunden. Sie rannte, rannte schnell und diesmal sehr zielsicher. In der Behausung angekommen, hielt sie keuchend und prustend inne.
Die Blicke zweier alter Frauen ruhten verwundert auf ihr. "Wo bei der Mutter warst du?", erregte sich ihre Mutter. "Draußen, ja? Habe ich dir nicht gesagt, du sollst hier bleiben, so lange du noch nicht verheiratet bist? Komm her und setz dich!"
Ridhu nahm gefügig auf einem Fell, das auf dem Boden ausgebreitet lag, Platz. "Hat dich einer genommen?", wollte ihre Mutter sogleich streng wissen.
Die junge Frau schüttelte immer noch keuchend den Kopf. "Gut!", Radka war zufrieden. "Du siehst, sie ist sehr flink", sagte sie zur Schwiegermutter. "Und schau nur was für schöne Brüste sie hat, sie wird eure Kinder alle satt - und dich stolz machen." Radka packte ihre Tochter am dünnen Handgelenk und tätschelte ihre Brust.
Die Schwiegermutter gurrte zufrieden...

Wollt ihr wissen wie es mit Ridhu weiter geht? Morgen poste ich die Fortsetzung! Übrigens gibt's meine Geschichten auch in Romanform ;)

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