Donnerstag, 25. Februar 2016

Naturwesen: Eine sachliche Antwort auf ein Mysterium

Der Begriff „Naturwesen“ ist schon missverständlich - impliziert er doch, dass ich diese Wesenheiten für Wesen der Natur halte, Menschen aber nicht. Ich verwende den Begriff nur, weil ich weiß, dass meine Leser dann wissen, dass ich damit nicht menschliche Wesenheiten der Natur meine: Bestsellerliteraturen, wie z.B. jene von Jeanne Ruland haben ihn verbreitet. Würde ich über Gniri, Dhàrdhats, Kelkey und andere schreiben, wäre meine Leserschaft ratlos. Sie wüsste nicht in welches Fach das Ganze hinein gehört.

Wer ist eigentlich meine Leseklientel? Die Antwort lautet: Esoteriker. Spirituelle hassen diesen Begriff, verweist er doch auf die Rolle als Randgruppe, die dieser Interessengemeinschaft in der menschlichen Gesellschaft noch zugedacht wird. Während die allgemein anerkannte Wissenschaft auf Fakten aufbaut und so auch strukturiert ist, funktioniert die Esoterik übertrieben betrachtet nach dem Prinzip: Schalte deinen Kopf aus und das Herz ein! Das ist der partisanenhafte Widerstand gegen die vorherrschende Ratio in einer kalten Welt. Und wie wird man zum Revolutionär? Indem man zum anderen Extrem greift – dem Gefühl. Das Ego zum Sterben zu verurteilen scheint die einzige Lösung! Wenn die Wissenschaft eine Extreme des Kopfes ist, dann ist die Esoterik eine Extreme des Gefühls. Jede Seite verdammt die Eigenschaften der anderen und erkennt nicht, dass sie unvollständig ist.

Ich selbst bewege mich in einer Grauzone zwischen Spiritualität und Wissenschaft. Weder kann ich die Anforderungen der Wissenschaft nach beweisbaren Fakten erfüllen, noch dem spirituellen Anspruch überbordender Gefühle heiler Welten gerecht werden. Meine Artikel paaren Ratio mit Emotio, also Information mit Gefühl, dabei treffe ich auf eine Leserschaft, die mir zumindest zum Teil bereit ist zuzuhören – nämlich im Bereich des Gefühls. Spirituelle registrieren weniger was ich schreibe, sondern mehr welches Gefühl ich dabei transportiere! Dieser Trend lässt sich sehr schön auf einer Seite beobachten, die mir eine Freundin neulich zugeschickt hat: Galaktische Kunst, heißt es da auf Englisch. Da finden wir lächelnde Aliens und weiß gewandete elbenhafte Gestalten, die Reinheit und Perfektion in vollkommener Harmonie mit dem Universum widerspiegeln, ebenso wie schwarzhäutige Reptiloide mit grimmigem Blick und zähen Lederflügeln. Die Guten und die Bösen – alles Gefühl. Das und noch mehr haben sie mit Spielfilmen gemeinsam: Sie sind unterhaltend, ohne die menschliche Komfortzone anzugreifen.

Wenn also ein Mensch zu mir kommt und mir erzählt er wolle Naturwesen sehen, dann weiß ich, wie er in der Regel an das Thema heran geht: nämlich ausschließlich mit seinem Gefühl. Infolge dessen wird er eine sehr schwammige Vorstellung davon haben wer oder was Naturwesen sind. Oft paart sich Natur-Romantik mit einigen spirituellen Lehren, in denen die Wesen der Natur unserer Mutter Erde helfen. Wenn sie also der Natur helfen, können sie auch mir helfen – Punkt.
Wer oder was Naturwesen sein könnten, ob körperlich oder nicht, welche Arten es geben könnte, wie sie organisiert sein könnten, wie ihre Gesellschaft aufgebaut sein könnte, darüber haben sie sich meist noch nie Gedanken gemacht. Es bestand bisher ja keine Notwendigkeit! Denn Spiritualität liebt das Gefühl und ächtet die Ratio! Was mich daran erschreckt, ist nicht die Tatsache, dass sie es nicht wissen können. Das ist nachvollziehbar. Woher soll Mensch über etwas Bescheid wissen, das er noch nie gesehen hat? Nein, es ist eher die Tatsache, dass sie es scheinbar gar nicht wissen wollen! So lange das Etwas da draußen mir hilft mein Blumenbeet zu bestücken oder meine Chakren zu reinigen, ist es egal wie es aussieht und wie es organisiert ist. Also demonstriere ich meine Dankbarkeit, indem ich meinen Garten mit Schleich-Elfen und Wurzelgnomen bestücke. Wer sich je differenzierter mit dem Thema beschäftigt hat, wird erkennen, dass diese Figuren – genau wie Gartenzwerge, im Grunde nur Karikaturen dessen darstellen, was da ist.

Wie wenig Menschen zwischen Naturwesenarten unterscheiden können und wollen, spiegelt sich vor allem in einer Frage immer wider, die mir gestellt wird: Was denken die Naturwesen über... dann wird das Thema genannt. Die Naturwesen gibt es nicht, genauso wie es nicht die Menschen gibt. Wie wir Menschen auch, sind auch diese nicht menschlichen Individuen in Arten, Unterrassen und Gemeinschaften unterteilt, die zum Teil unterschiedlicher nicht sein können und oft einander nicht einmal berühren. Sicher, wie menschliche Gemeinschaften auch, haben sie ihre Gemeinsamkeiten – aber genau so wie sich das Leben eines Buschmanns in Afrika grundlegend von dem eines Managers in New York unterschiedet – tun dies auch die Rollen und Aufgaben von Naturwesen.

Ich frage mich oft, ob sich das Konzept von Ratio und Emotio in der Spiritualität durchsetzen lässt, und ob es Menschen da draußen gibt, die sich tatsächlich für die sachliche Antwort der Frage interessieren wer da draußen ist! Oft bemerke ich ihre Furcht, wenn die Möglichkeit besteht es tatsächlich zu erfahren. Dann begegnen mir Aussagen wie: Ja, ich würde gerne Naturwesen sehen, aber ich muss auch zugeben, ich würde mich fürchten, wenn sie so aussehen, wie das was du zeichnest. Diese Aussage zeigt mir eines: dass sehr viele Menschen gerne in ihrer Welt aus Wurzelgnomen und Schleichelfen bleiben möchten, denn sie ist komfortabel! Sie verlangt weder menschlichen Einsatz, noch, dass wir uns mit Aspekten naturwesischen Lebens befassen müssten, die nicht nur unangenehm, sondern vielleicht sogar abstoßend sein könnten! Und ja, es gibt solche Aspekte. Oft erfreue ich mich bei diesen Menschen schlicht am Umstand, dass ihre heile Elfenwelt sie zumindest dazu bewegt, mit offeneren Augen durch die Natur gehen – was auch schon viel Wert ist!

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