Montag, 2. Mai 2016

Kreuzung zwischen Naturwesen und Mensch

Diesen Beitrag hier, widme ich dir, liebe Simone.

"Orthodoxe Darwinisten waren lange davon ausgegangen,  dass sich neuartige Spezies durch eine langwierige Reihe unendlich kleiner gradueller Stufen weiter entwickeln. [...]
Nun ist aber wahrscheinlicher, dass gewaltige Genomverschiebungen im Laufe der Evolution auf einen Schlag zuvor unbekannte Formen entstehen ließen." *

*Andreas Weber: Alles fühlt. Mensch, Natur und die Revolution der Lebenswissenschaften, Berlin 2007, S. 268f.

Der Biologe Andreas Weber, aber auch wenige andere seiner Zunft, haben den Begriff der retikularen Evolution mit geprägt - er besagt grob vereinfacht, dass die Natur um jeden Preis immer wieder neue Lebensformen produzieren möchte, und dass sich (er hat es an den Meeresbewohnern bewiesen) im Laufe der Zeit auch Arten paaren können, die grundverschieden sind. Aus ihnen erwachsen neue Lebensformen, die grundsätzlich anders aussehen. So erklärt er beispielsweise auch den Übergang von Pterodaktylus (Flugsaurier) zum Vogel.

Nun kam die Frage, die wohl jedem, der sich mit Naturwesen beschäftigt, öfter durch den Kopf gegangen ist: Könnte ein Naturwesen einen Menschen lieben und sich mit ihm paaren? Würde da was Sinnvolles heraus kommen? Meine Antwort lautet ja: Es gibt unzählige humanoide Naturwesenarten, die sich mit Menschen vereinen könnten - wären sie nur sichtbar.
Ich selbst bin dieser Frage nie in einem Beitrag nachgegangen, denn sie erschien mir angesichts der Unsichtbarkeit der Naturwesen an sich - vollkommen unsinnig. Dennoch beschäftigt sie die Menschen - wenn auch nur in ihrer Fantasie. Ich fand den Gedanken auch interessant, also habe ich ihn in meinem Naturwesenroman Gniri Noromadi verfolgt und einmal mehr festgestellt, dass Naturwesen und wir nicht so unterschiedlich sind, wie viele Menschen meinen.

Ich überspringe dabei absichtlich die Debatte von Stofflich oder Nichtstofflich, also jene Frage, die sich damit beschäftigt, ob Naturwesen reine Geister und somit nicht der Fortpflanzung fähig sind oder nicht, da dies sein Fass ohne Boden ist, einer Debatte ausgesetzt, die keine abschließenden Fakten und Beweise liefert. Jede Feststellung bleibt eine Meinung...

Nun wieder zum Thema: Es ginge also, ja! In der Zeit als Menschen und Naturwesen einander noch sehen konnten, ist das auch passiert. Unzählige Mischformen sind dabei entstanden, viele Naturwesenarten haben sich so in noch weitere aufgespalten. Sie und die Menschen bilden einen schönen großen Genompool, aus dem sich die Natur gerne bedienen würde, wäre es noch möglich.

Kreuzung Naturwesen und Mensch - ein ethischer Randbereich

Ethisch betrachtet betreten wir mit dem Thema aber einen Randbereich, der weder Menschen noch Naturwesen kalt lässt.
Menschen betrachten Naturwesen gerne aus sicherer Distanz, lieblich, freundlich und androgyn, denn so können sie einem nicht auf den Pelz rücken. Mehr ist ein guter theoretischer Gedanke, praktisch betrachtet würden sie sich aber schnell in einer intimen Grenze verletzt fühlen, denn Naturwesen haben es nicht so mir Privatsphäre und auch Nacktheit kein Ding. Sie sind oftmals forsch - für menschliche Verhältnisse nahezu lüstern.Es ist also ein spannendes, aber auch ein Thema vor dem man Angst hat.
Naturwesen wiederum sind stolz darauf, das zu sein, was sie sind und eine Vermischung ist, wie viele andere Dinge, tabu. Denn der Mensch ist oftmals ein unliebsames Wesen, einerseits Neugierde erweckend (sprich man will es begaffen und untersuchen) - andererseits aber auch eine Lebensform, vor der man sich in Acht nehmen muss. Also werden Grenzen zwar ausgereizt aber nicht überschritten, ich vergleiche diesen Umstand mit einem Spiel mit dem Feuer, wobei der Mensch das Feuer darstellt. Man hüpft kurz hindurch, lässt die Finger über die züngelnde Flamme wandern, aber man achtet darauf, sich nicht zu verbrennen.
Diese Diskrepanzen sowie der Umstand der Unsichtbarkeit machen eine mögliche Laune der Natur zunichte.

Und die Liebe? Liebe kann gedeihen - auch auf solchem Boden, aber sie wird freundschaftlich bleiben. Denn anderes bleibt ihr nicht übrig. Zu sehr sind wir von einander getrennt.

Oft frage ich mich...

was Menschen hören wollen, die mir diese Frage stellen und was dabei in ihren Köpfen vorgeht. Ich stelle mir dabei vor, dass es eventuell so etwas wie ein ich will zurück zur Natur Ding ist, womöglich aber auch aus den liebenswürdigen Verhaltensweisen der Naturwesen aus meinem Roman resultiert. All die Widerstände, die ich gerade beschrieben habe, gibt es in meinem Roman nicht, können sie auch gar nicht, da sonst die Handlung stocken würde - und so zeichne ich gewissermaßen ein Idealbild und lasse die Naturwesen so agieren, dass sich die Menschen von ihnen nicht irritiert fühlen. Das ist jetzt ein Bekenntnis, will ich doch damit sagen, dass Naturwesen in (meiner) Wirklichkeit weit häufiger irritierende Verhaltensweisen an den Tag legen, als dem Autormalverbraucher lieb ist. Wenn ich aber den Menschen, der sowieso schon Angst hat, noch weiter irritiere, wo komme ich hin? Das zarte Band eines Kontakts könnte zunichte gemacht werden. 
Wo ist also die Wahrheit? Und wo die Fiktion? Ihr werdet es bei mir nie richtig heraus finden, denn es ist ein gut verwobenes Ganzes, dazu gemacht, den Lesern schonend den Gedanken an Naturwesen nahezubringen. Wohin der Leser dann geht, wie weit er geht, ist ihm überlassen. 

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