Dienstag, 19. Juli 2016

Gestern im Garten der Kundschaft...

Hallo ihr Lieben,

seit ich mit meinem Schatz zusammen unser Gartenpflege-Unternehmen gegründet habe, sind wir viel in den Gärten der Menschen unterwegs. Es handelt sich hauptsächlich um Menschen, die ein Eigenheim haben. Betritt man ihren Garten, so finden wir uns in deren Allerheiligstem wieder. Morgens nach dem Kaffee, wenn die Blase drückt, bitte ich den einen oder anderen Kunden auch seine Toilette benutzen zu dürfen. Dann darf ich auch einen kleinen Blick auf das liebevoll eingerichtete zu Hause sehen. Ich muss euch gestehen, ich betrachte das Ganze voller Ehrfurcht, denn wann darf man schon bei wildfremden Leuten hinter die Kulissen schauen?

Alle haben sie gemeinsam, dass sie ihren Garten ebenso lieben wie ihr Haus. Ältere Leute investieren daher oft sehr viel Zeit darin, beides zu hegen und pflegen zu lassen. Im Haus finden wir geblümte Tapeten, kleine Figürchen und auf der Gästetoilette flauschige Badteppiche, der Boden glänzt - ja selbst der Klopapierhalter leuchtet einen in einem glänzendem Goldgelb an. Pendeluhren schlagen leise ihr tock tock...Draußen finden wir eine liebevolle Mischung aus blühenden Blumenbeeten und Ziergehölzen, die akkurat geschnitten, in toller Kugelform prangen.

Der Garten der Kunden gestern (ein älteres Ehepaar) war besonders schön. Es handelte sich um ein riesiges Grundstück voller verwinkelter Ecken mit reihenweise Hecken und Büschen. Besonders majestätisch prangte da eine riesige Blutbuche. Ich frage mich immer wieder wie diese sehr naturverbundenen Menschen so gar nicht offen für die Bewohner ihres Gartens sind - den Naturwesen, die besonders gern im ausladenden Kirschlorbeer und Rhododendron leben - oder wie in dem Garten unseres Nachbarn hier - unter dem Baldachin einer wunderschönen Hängeulme mit wunderschönen riesigen Blättern.

Gestern jedenfalls, als ich so am Schnittgut zusammenkratzen war, da kam ein Naturwesen, kindsgroß und ein junger Mann. Im Laufe des kurzen Gesprächs, das wir in Gedanken führten (ich muss dabei möglichst so aussehen als würde ich mich ausschließlich meiner Arbeit widmen) - erklärte er, er und seine Sippe hätten meinen Naturwesenbegleiter ausgefragt nach mir. Und, er wusste, dass ich den Menschen über sie berichte, dass ich Bücher geschrieben habe.

Also fragte er: Und, hast du den Menschen auch gesagt, dass wir in ihren Gärten leben? Der angstvolle Unterton entging mir nicht.
Ich sagte: Ja, ich habe es ihnen gesagt.
Er: Warum hast du es dann diesen alten Leuten nicht gesagt?
Ich: Naja, man kann es nicht allen sagen.
Er: Aber manchen schon.
Ich: Ja!
Er: Und, wie finden sie es, dass wir in ihren Gärten leben? Diese Frage stellte er mir in einem kecken Unterton.
Ich (auch in einem kecken Unterton): Sie fühlen sich geehrt.
Daraufhin hat er gelacht.

Dass Naturwesen in unseren Gärten leben, ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits tut ihnen da keiner groß was, andererseits muss man sie warnen wenn die Heckenschere kommt. Wir benutzen eine so genannte Hochheckenschere. Sie ist sehr viel länger, als die normalen, läuft mit Sprit und ist sehr laut. Sie wohnen da nur so lange, wie der Garten existiert. Manch altes Ehepaar stirbt weg, und der nächste menschliche Bewohner, reißt vieles heraus und setzt Rasen hin. Dieses verwinkelten und engen Gärten sind für die Naturis toll, aber für Menschen auf Dauer nichts, weil denen die Natur über den Kopf wächst. Für die Naturwesen ist es ein Leben auf Pump. Übrigens werden heftige Auseinandersetzungen, die teilweise auch blutig enden können, um Territorien innerhalb menschlicher Gärten ausgefochten. Es ist, als würdest du eine Wohnung suchen, weil dein Baum kaputt gehauen wurde, und alle Wohnungen sind belegt. Die Angst, diesen Lebensraum zu verlieren ist so hoch, dass man ihn kaum mit anderen teilen möchte...

Oft möchte ich gerne meiner Arbeit eine spirituelle Komponente hinzufügen, indem ich unseren Kunden berichte, was in den Gärten los ist, aber jedes Mal halte ich inne - denn ich kann nicht!

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