Freitag, 2. September 2016

Warum heben sich die Schleier nicht...


"Warum heben sich die Schleier nicht?", fragte mich gestern eine Freundin verzweifelt, "ich möchte gerne die Naturwesen in ihrer vollen Montur sehen, mit allem drum und dran." Wenn mich Menschen so etwas fragen, höre ich die Verzweiflung in ihren Worten, und dann  brodelt da etwas in mir, das ich nicht in Worte fassen kann, aber diese Textstelle - die verdeutlicht was ich nicht formulieren kann:

" ' Viele aus der heutigen Generation mögen es nicht, untätig rumzusitzen. Und hier passiert wenigstens was. Alle eilen immer geschäftig durch die Gegend, wollen etwas erreichen oder verändern, auch wenn sie oft genug nicht wissen was sie tun.'
'Wir sitzen nicht rum', erwiderte ich, 'aber wir jagen auch nichts und niemandem nach.'
'Bist du da sicher?', hielt er dagegen. 'Ich nenne Menschen wie euch insgeheim immer Windsucher. Ihr jagt blindlings dem Wind hinterher. Aber was macht ihr eigentlich, wenn ihr ihn erwischt? Ihr denkt nie darüber nach, wohin euch diese Suche führt. Möglicherweise findest du nämlich etwas ganz anderes als das, was du gesucht hast. Und statt den Wind zu fangen, gerätst du in einen Sturm. Und dann? Würdest du dich dem auch stellen?' "

Quelle: Alexey Pehov: Wind. Die Chroniken von Hara 1, München 2013, S.444.

Die Menschen denken bei ihrer Suche wirklich nie nach wohin ihre Suche sie führt. Sie wollen einfach, punkt! Ich finde hinter diesem Wunsch steckt eine naive Dreistigkeit.
Fragst du sie, werden sie dir sagen: Ich? Ich will die knallharte Wahrheit, ich kann das ab! Dabei ist genau das nicht der Fall. Neulich - da unterhielt ich mich mit einer spirituellen Freundin, und die sagte offen zu mir:
"Du, Alina, deine Bilder sind ja schön - aber ich muss zugeben, ich finde sie gruselig." Nun stellt euch vor, der Schleier lüftet sich... Eventuell siehst du dann etwas, das dir vielleicht furchtbare Angst einjagt, weil es nicht so aussieht und sich nicht so verhält wie du es dir gewünscht oder vorgestellt hast. Was tust du dann?
Oft finden wir etwas anderes als wir uns erhofft und vorgestellt haben und dann stehen wir vor dem Scherbenhaufen unserer Hoffnungen und Vorstellungen - und denken: Oh Gott, ist es das??? Aber das wusste ich nicht, und oh je so wollte ich das nicht.

Ich kann und möchte euch NICHT beweisen, dass es so und nicht anders ist, als ich es sehe, aber ich finde, der Gedanke, dass es eventuell nicht ganz so ist wie wir meinen, ist ein sehr wichtiger und grundlegender - vor allem dann, wenn wir so dringend wollen. Manchmal werden wir die Geister, die wir riefen nicht mehr los.
Es muss sich nicht schlecht gestalten - oft aber gestaltet es sich ungewöhnlich, so dass ich annehme, dass viele Menschen schlichtweg überfordert wären. Sie stecken einfach zu sehr in ihrem Konzept fest, was gut aussieht und was hässlich ist, welches Verhalten gut ist und welches böse - sie können mit Grauzonen nicht gut umgehen. Naturwesenwelt ist eine gute Welt, eine schöne Welt, aber auch eine böse Welt und eine Welt der Grauzonen. Wenn wir das akzeptieren, sind wir einen wesentlichen Schritt weiter - denn dieses ermöglicht uns ab diesem Zeitpunkt einen differenzierteren Blick auf das was vorhanden ist.


Alles Liebe euch
Eure Alina

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