Sonntag, 23. Oktober 2016

Wenn du nachts im Wald plötzlich merkst...

dass sich etwas rasch nähert - du siehst es aber nicht. Stattdessen spitzt du die Ohren, hörst das seltsame Knistern und Rascheln im Unterholz, vernimmst den modrigen Duft von Erde und Moos, spürst einen Lufthauch auf deinem Nacken. Panik steigt in dir auf, dein Herz klopft wie wild, du drehst dich um, aber da ist nichts. Du beschleunigst deinen Schritt. Irgend etwas folgt dir, du weißt es ganz genau, unsichtbare Augen messen deine sich fahl in der Dunkelheit abzeichnende Gestalt Zentimeter für Zentimeter ab, und dann zieht es plötzlich am Arm.
Ja, die ganze rechte Körperhälfte scheint sich in einem Sog zu befinden... und dann ist es dir so nah, dass euch nur noch eine Handbreit trennt. Es läuft rechts hinter dir, berührt dich hier und da mit unsichtbaren Fingern, die unauffällig aber doch direkt spürbar an deiner Jacke zupfen, durch dein Haar fahren. Du drehst dich abermals um, deine Augen durchmessen die Schwärze der Nacht nach einem Umriss, aber da ist nichts, deine normalen Sinne sind verwirrt, schreien: Warum sehe ich es nicht?
Stattdessen vernimmst du nur dieses seltsame Knacken und Rascheln von Blättern, das Umherkullern winzigen Splitts auf dem Wanderweg. Dein Verstand sieht niemanden, es macht ihn rasend, dein Herz aber weiß: das ist jemand! Du fühlst dich penetrant bedrängt, hast Angst, dass dich gleich etwas packt, dich umklammert, nicht mehr loslässt, dir vielleicht weh tut? Und du, du kannst doch nicht einmal etwas dagegen tun, weil... das was da bei dir ist, ist unsichtbar.
Hast du etwas Dergleichen schon einmal erlebt? Ich? Ja! Und nicht nur nachts, sondern auch tags über. Manch ein Mensch erschreckt sich zu Tode, denkt, da müsse ein Dämon hinter ihm her sein, denn wer, ja wer um Himmels willen kann dir so penetrant auf die Pelle rücken wenn nicht etwas, das dir schaden will? Gedanken über Gedanken überrollen deinen Geist, alles spitzt sich zu. Oft schreiben verzweifelte Menschen verzweifelte Beiträge, in denen sie danach fragen, was zum Henker das sein könnte, und vor allem eine Frage bedrängt sie: Ist es böse?
Die Kommentare dazu lese ich dann immer mit einem gewissen Schmunzeln: Ruf Erzengel Michael zu Hilfe, lass ihn die Schnüre durchkappen, zünde ne Kerzen an, reinige dich mit Räucherwerk, führe ein schamanisches Ritual durch und und und... die Tipps nehmen kein Ende. ;)

Dabei ist das was uns nachts und manchmal auch tagsüber folgt eigentlich ganz harmlos. Es sind oft neugierige Naturwesen und/oder Naturgeister. Oft habe ich das Gefühl, sie treten mir gleich in die Hacken, dann gibt's eine Rüge und weiter geht's. Das Einzige was sie umtreibt ist die Neugier. Nachts sind nochmal andere Wesen und Geister unterwegs als tagsüber und die einzige Frage die sie umtreibt ist: Was macht der Mensch jetzt hier? Den will ich mir mal genauer ansehen ;) Dabei ist ihnen Privatsphäre fremd. Auch untereinander begegnen sie so...sie kennen das einfach nicht - unsere Regel von Unbekannten einen gewissen Wohlfühlabstand zu halten. Das ist lästig was unangenehm, aber nicht schlimm, macht euch einfach rigoros bemerkbar, das Wesen solle bitte aufhören euch in die Hacken zu laufen, vielleicht ne Geste mit Husch Husch und du machst mir Angst. Solltet ihr in die Verlegenheit kommen, das Wesen anzusprechen dürft ihr euch mitunter auf vieeeele Fragen gefasst machen: Wer bist du? Was machst du hier? Warum kommst du hierher? Wo wohnst du? Nur um mal einige zu nennen. Neugier kennt keine Grenzen.

Alles Liebe
Eure Alina

Kommentare:

  1. Bei mir ist es genau anders herum. :( Simone Hammacher

    AntwortenLöschen
  2. Ich werde schon seit Jahren beobachtet und sehne mich nach ihnen, aber sie sind zu scheu, um mich anzusprechen. Das macht mich depressiv. Und dann muss ich immer erst bis zum nächsten Sommer warten, bis es wieder so weit ist. Es macht mich wahnsinnig.

    AntwortenLöschen